Mars und Venus auch in der Kommunikation

Männer kommen vom Mars und Frauen von der Venus. Das haben wir nun alle hinlänglich begriffen. Aber sie kommunizieren auch anders und nutzen Sprache – mehr oder weniger – unterschiedlich. Insbesondere im Berufsleben treten so Missverständnisse auf, die für dasjenige Geschlecht meist Benachteiligungen mitbringen, das nicht den Ton in der Kommunikation angibt. Und den Grundton in der Kommunikation wird in der Arbeitswelt – bis heute – zumeist von den Männern bestimmt. Missverständnisse im Job können zu Frustration oder auch zu handfesten Konflikten führen.

Was sind denn nun die Unterschiede? Ein Beispiel ist der Konjunktiv, den Frauen gerne verwenden und Männer missverstehen. Frauen sehen ihn als eine Form der Höflichkeit „Wäre es möglich, dass Sie mir die Informationen bis heute zukommen lassen könnten?“ Ist diese Frage an einen Mann gerichtet, versteht dieser stattdessen „Ich brauche die Informationen nicht wirklich bis heute. Morgen geht auch noch.“  Männer nehmen den Konjunktiv als einen Ausdruck von Unentschiedenheit oder Unsicherheit wahr, sie selbst drücken sich dagegen im Allgemeinen direkt und ohne Umschweife aus.

Die meisten Frauen signalisieren, dass sie ihren Gesprächspartner mitnehmen wollen und gehen auf ihn ein – es ist ihnen wichtig, auf der Beziehungsebene zu harmonisieren. Allerdings geraten sie – dadurch, dass sie sich dem Denkmodus ihres Gegenübers anpassen – in eine reaktive Position: Der Mann führt, die Frau geht mit.

Ein weiterer, der vielen Unterschiede ist die bessere Sprachgewandheit vieler Frauen. Diese führt nämlich oft nicht zum besseren Verständnis beim männlichen Gegenüber, sondern im Gegenteil. Männer werten detailreiche Kommunikation als Unsicherheit und setzen Fokussiertheit mit Erfolgsorientierung gleich.

Sollen sich Frauen denn nun den Männern in ihrer Kommunikation angleichen und umgekehrt? Das heisst, müssen Frauen „männlich“ kommunizieren und Männer „weiblich“? Dass das nicht funktioniert zeigt, dass Männer, die zum Beispiel ihre Stimm-Melodie verändert einsetzen, von ihren Artgenossen schräg angesehen und nicht ernst genommen werden. Und Frauen, die selbstsicher auftreten, werden von männlichen Kollegen mitunter als „bossy“ abgestempelt, während Männer mit demselben Verhalten als vertrauenswürdig und engagiert betrachtet werden.

Der Schlüssel zur Verbesserung der Kommunikation liegt wie so oft darin, zu versuchen, den Anderen in seiner Haltung und Sichtweise zu verstehen. Dies erfordert allerdings Achtsamkeit und Akzeptanz gegenüber dem eigenen wie auch dem Kommunikationsstil des Anderen.

In unseren Coachings werden Kommunikations-Dynamiken, die immer wieder zu Missverständnissen und unerwünschten Reaktionen führen, reflektiert, analysiert und es werden Lösungsansätze entwickelt. Das funktioniert aber nicht durch eine oberflächige Veränderung von Sprechweise oder Körpersprache, sondern erfordert die Reflexion und Veränderung der eigenen Wahrnehmung und Befindlichkeit.

 

 

Literatur-Empfehlung:

Dagmar Kumbier: Sie sagt, er sagt. Kommunikationspsychologie für Partnerschaft, Familie und Beruf. Herausgegeben von Friedemann Schulz von Thun

managerSeminare, Heft 203 „Der unbekannte Unterschied“ Genderspezifische Kommunikation vonCristina Muderlak